Interview

AIDAprima Taufe : Christian Sommer

AIDAprima Taufe : Christian Sommer

22. März 2017

EVENT Rookie: Das Projekt war sehr speziell, weil die Technik im laufenden Betrieb auf dem Schiff aufgebaut werden musste, die Steuerdaten per Richtfunk gesendet wurden oder auch weil man versuchen musste so stromsparend wie möglich und nötig zu agieren. War es deshalb ein besonderes Event für euch oder vielleicht sogar eine der größten Herausforderungen bisher?
Christian Sommer: Sicherlich eine der größten Herausforderung in der 25-jährigen AMBION Geschichte. Kernpunkt, neben einigen logistisch-wettertechnischen Aspekten, war es eine fertig bestückte Bühne auf Position zu fahren und auf ein Verbinden via Funk zu setzen. Da muss jeder Mensch und jedes Gerät auf seiner Position zu über hundert Prozent und genau so funktionieren, wie es im Vorfeld geplant war. Um die Gäste möglichst wenig zu stören, waren schon im Vorfeld Aufbau-Slots definiert, in denen wir die Balkone betreten durften. Das war während der Landgänge, wenn möglichst wenig Gäste in ihren Kabinen sind. Diese Slots auch im Fortgang des Projektes einzuhalten, war eine große planerische Aufgabe. Da Scheinwerferart und -anzahl gesetzt waren, ließ sich der Strombedarf frühzeitig sehr genau ermitteln. Ihn jedoch komplett aus dem Bordnetz zu beziehen, bedurfte einer sehr eingehenden Einarbeitung in die Baupläne des Schiffs, langer Kabelwege sowie enger Abstimmungen mit dem Bordpersonal. Den Strom letztendlich dahin zu bekommen wo er gebraucht wurde war eine Herausforderung. Alles musste auf den Meter genau vorgeplant sein und dann passen.

Christian Sommer

Christian Sommer

EVENT Rookie: Wir können uns vorstellen, dass Gäste auf dem Schiff nicht gerade froh sind, wenn ständig Leute mit Kabeln oder Scheinwerfern neben ihnen agieren. Gab es da Schwierigkeiten auf dem Schiff oder haben sich die Gäste komplett mit der Situation arrangiert?
Christian Sommer: In der Aufbauphase gab es den ein oder anderen Gast, der nicht so begeistert war, aber im Großen und Ganzen waren alle sehr tapfer. Die Passagiere wurden aber auch schon weit im Vorfeld über die Aufbauvorhaben und -zeiten informiert. Und so eine Taufe live an Bord mitzuerleben, ist ja auch etwas Besonderes. Speziell die höheren Semester der Gäste waren teilweise sehr daran interessiert, was wir denn da so aufbauen.

EVENT Rookie: Wie lange hat euch das Projekt (von der Planung bis zum fertigen Abbau) in Anspruch genommen?
Christian Sommer: Die Konzeptfindung war bereits im Januar. Der Ortstermin fand in der herstellenden Werft im März statt. Die war auch nicht direkt um die Ecke, sondern in Nagasaki. Das Material wurde bereits Ende April verladen. Zwischen Vorbesichtigung und Taufe waren wir eigentlich durchgehend mit der Projektplanung beschäftigt.

EVENT Rookie: Wart ihr beim Abbau dann auch wieder eine Woche mit dem Schiff unterwegs oder passierte dieser auf anderem Wege?
Christian Sommer: Auch der Abbau fand auf See statt, da die AIDAprima mit allen Passagieren direkt nach der Taufe aus dem Hamburger Hafen ausgelaufen ist. Dabei war nicht ganz klar, wie lange der Abbau der einzelnen Technikteilbereiche dauern würde. Die LED-Crew ging zum Beispiel in Southhampton von Board. Andere Kollegen fuhren weiter und stiegen dann final wieder bei der Rückkehr in Hamburg aus. Das ganze Projekt war für unsere Reiseplanungsabteilung auf jeden Fall eine spezielle Herausforderung.

EVENT Rookie: Wie löst man eine solche Aufgabe logistisch? Wenn etwas fehlt, kann man ja nicht mal schnell ins Lager fahren und das fehlende Teil besorgen. Arbeitet man dann mit zu viel Material, um nicht in Nöte zu kommen, oder eher nach dem Motto „Mut zur Lücke“ – also was fehlt, fehlt halt?
Christian Sommer: Bei so einem Projekt ist eine gute und gründliche Fachplanung wichtig, um eben nichts zu vergessen. Zu viel mitzunehmen ist auch keine Option, da der Lagerplatz an Bord doch recht begrenzt ist. Von Anfang an war am eigentlichen Showtag noch eine Lieferung angesetzt, so dass man in letzter Minute die Möglichkeit hatte, zu reagieren.

EVENT Rookie: Es waren etliche Kilometer Kabel und hunderte Scheinwerfer verbaut. Das klingt nach viel Arbeit und viel Personal. Mit wie vielen wart ihr denn beim Aufbau auf dem Schiff und hat die Woche komplett ausgereicht oder hättet ihr gerne mehr Zeit gehabt?
Christian Sommer: Wir haben für die rund fünfhundert Geräte an Bord etwas mehr als 15.000 Meter Kabel verlegt. Das Material passte in zwei 40-Tonner, wurde allerdings im Vorfeld in besondere Kunststoffladungsträger umkonfektioniert. Unsere Standard-Cases wären für den Einsatz an Board zu sperrig gewesen. Speziell das Thema der 380 Wetterschutzgehäuse für die LED-Bars war logistisch nur zu lösen, in dem unsere Sonderkonstruktionsabteilung ein Gehäuse entwarf, das erst auf dem Schiff zusammengebaut wurde. Für fertige Gehäuse hätten wir ein bis zwei weitere LKWs benötigt. Dieses Mehrvolumen wäre platztechnisch nicht handhabbar gewesen. Für die Projektphase waren ein Projektleiter, ein Systemtechniker, vier Lichttechniker, eine Elektrofachkraft und zwei technische Assistenten vor Ort.

EVENT Rookie: Hat die Crew auf dem Schiff auch ihren Teil zu dem Event beigetragen oder waren sie in dieser Veranstaltung nicht mit integriert?
Christian Sommer: Ganz klar JA! Die komplette Schiffs-Crew hat unterstützt wo sie konnte. Das war eine ganz angenehme Zusammenarbeit. Und die Besatzung hätte uns gern noch länger an Bord behalten, denn wir waren eindeutig mal eine Abwechslung.

Text: Simon Kropp