#15 Audiotechnik: Signal-Processing (Teil 1) 

Wie geht man beim EQing vor?

Es liegt nahe, als erstes die Hoch- und Tiefpassfilter zu justieren. Deren Einstellung sollte zunächst so erfolgen, dass man keinen signifikanten Unterschied zur Bypass-Stellung hört – das Signal darf also nicht merklich „dünner“ oder „dumpfer“ werden. Anschließend können gezielt Resonanz- und potentielle Rückkopplungsfrequenzen gesucht werden. Dazu erhöht man den Pegel des betreffenden Audiosignals auf der PA und boostet einen der Bell-Filter bei sehr schmaler Bandbreite maximal. Jetzt verändert man mit dem Frequency-Poti langsam die Frequenz des EQ-Bands – diesen Vorgang nennt man „sweepen“. Bei bestimmten Frequenzen wird das Audiosignal nun sehr resonant, fast oszillierend klingen oder es wird Feedback über die Lautsprecher entstehen. Sobald ein solches Ereignis eintritt, stellt man an dieser Frequenz eine Absenkung von 3 bis 6 Dezibel ein und erhöht die Bandbreite wieder etwas. 

Mehrwert: Lineare und nichtlineare Verzerrungen

Beim Begriff „Verzerrung“ denkt man spontan an übersteuerte, sägend klingende Sounds. Korrekterweise muss man allerdings zwischen „linearen“ und „nichtlinearen“ Verzerrungen unterscheiden. Eine lineare Verzerrung bedeutet, dass im Vergleich zur reinen (akustischen) Quelle keine Signalanteile hinzukommen oder wegfallen, sich aber Amplitude oder Phasenlage verändern. Dies kann zum Beispiel durch eine Überhöhung bestimmter Frequenzen im Raum oder einen Kammfiltereffekt durch nah zueinander positionierte Mikrofone entstehen. Eine lineare Verzerrung kann – zumindest in der Theorie – elektroakustisch wieder rückgängig gemacht werden (durch EQ/ Delay). Eine nichtlineare Verzerrung liegt vor, sobald Oberschwingungen zur ursprünglichen Signalkurvenform (Wechselschwingung) hinzukommen. Hierbei entstehen entweder ganzzahlige Obertöne, welche als harmonische Verzerrung (englisch: total harmonic distortion (THD)) bezeichnet werden oder nicht-ganzzahlige Obertöne, auch nicht-harmonische (aka „Differenzton-“) Verzerrungen genannt. Letztere werden vor allem durch Intermodulations-Artefakte verursacht und klingen in der Regel auffällig unangenehm. Nichtlineare Verzerrungen machen sich vornehmlich harmonisch, in einem angenehm klingenden, „brillantem“ Sound bemerkbar. In den technischen Daten von Geräten sind sie als „Klirrfaktor“ oder „THD“ aufgeführt.   

Die meisten Mikrofonsignale verfügen über eine oder zwei solcher „Problemfrequenzen“, sodass man das Procedere eventuell im nächsten EQ-Band nochmals wiederholen muss. Bei sehr problematischen Signalen benötigt man unter Umständen mehrere solcher EQ-Absenkungen. Hier muss dann gegebenenfalls ein weiterer Equalizer (Plug-in oder extern) in den Kanalzug insertiert werden. Zum Schluss folgt dann das klangliche Design des Audiosignals. Je nach Notwendigkeit und Geschmack wird man dabei Bass- und Höhenbereich von Einzelsignalen betonen beziehungsweise dämpfen, sowie im Mittenbereich für Klarheit und Durchsetzungsfähigkeit sorgen
wollen.

Text: Martin Person
Fotos: Martin Person, Schabbach