#16 Audiotechnik: Signal-Processing (Teil 2) 

Wie komprimiert man Signale?

Es gibt verschiedene Gründe und Notwendigkeiten einzelne Audiosignale oder -gruppen mit einem Kompressor zu bearbeiten. Der naheliegendste Grund ist sicherlich die Reduktion von kurzzeitigen, unvorhersehbaren Pegelspitzen. Dies können Plosiv-Laute/ Konsonanten eines Sprechers, einzelne zu laut gespielte Schläge auf einem Drumset oder ähnliches sein. Hier sollte man versuchen, die auftretenden Peaks mit möglichst schnellen Attack- und Releasezeiten sowie einer höheren Ratio auf den durchschnittlichen Signalpegel zu reduzieren. 

Ein weiterer typischer Kompressor-Einsatz ist das „Leveling“ einzelner Signale oder Signalgruppen, um einen gleichmäßigeren Durchschnittspegel (RMS) für dynamische Stimmen/Instrumente zu erreichen. Ziel dabei ist beispielsweise, dass bei einer Sprachbeschallung jedes Wort gut zu verstehen ist, unterschiedliche Gitarren- oder Keyboardsounds nicht die Mix-Balance zerstören oder Background-Vocals/Chöre kompakt und füllig klingen. 

Hier sollten keine allzu kurzen Attackzeiten (5 bis 30 Millisekunden) gewählt werden, damit initiale Transienten sowie das Bass-Spektrum nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Release-Times dürfen ebenfalls etwas länger im Bereich 100 bis 300 Millisekunden angesetzt werden, damit die Kompression nicht als „Pumpen“/ „Atmen“ hörbar wird. Die Ratio wird beim „Leveling“ oft etwas niedriger (1,5:1 bis 3:1), das Threshold dagegen recht tief angesetzt, um eine permanente, gleichmäßige Gain-Reduction zu erhalten.

Die dritte wesentliche Kompressor-Anwendung ist das „Hüllkurvendesign“. Durch bewusstes Verlängern der Attackzeit lässt sich besonders bei perkussiven Signalen die Einschwingphase der ADSR-Hüllkurve betonen, wodurch etwa Bassdrum, Snare oder TomToms durchsetzungsfähiger und „knalliger“ gestaltet werden können. Will man dagegen zum Beispiel den Teppich einer Snare mehr akzentuieren, kann durch Verkürzung von Attack und Release die Sustainphase des Signals im Pegel angehoben werden. Für einen deutlichen Effekt ist in beiden Fällen eine stärkere Gain-Reduction (hohe Ratio plus geeigneter Threshold)
notwendig.  

Text+Fotos: Martin Person