#18 Audiotechnik: Signal-Processing (Teil 4)

Reverb-Typen

Predelay (oder Initial Delay) bestimmt die Zeitlücke zwischen Originalsignal und dem Einsetzen der Erstreflektionen mit nachfolgender Hallfahne. Damit legen wir fest, wie nahe oder entfernt die eigentliche Schallquelle wirken soll. Mit großem Predelay wirkt ein Audiosignal näher und direkter, mit einem kurzen Setting dagegen entfernter beziehungsweise diffuser. Natürlich spielt hierbei auch die verwendete „Room Size“, die die Abmessungen des künstlichen Raums definiert, eine Rolle. Bei großen Räumen ist ein Predelay-Setting von 0 nicht plausibel, bei kleinen Room- oder Chamber-Presets ergeben sehr hohe Werte dagegen wenig Sinn und funktionieren in der Regel auch klanglich nicht gut.  

Nahe Schallquelle:
Laufzeitunterschied zwischen Direktsignal  und Reflektionen ist groß (=hoher Predelay-Wert)

Durch Room Size wird, wie erwähnt, die Größe, also das Volumen des virtuellen Raums definiert. Bei den meisten Geräten/ Plug-Ins kann hier ein „freier“ Zahlenwert gewählt werden. Dieser interagiert oftmals auch mit dem nachfolgenden Reverb Time-Parameter. Letzterer bestimmt die Länge der hörbaren Hallfahne und wird auch als RT60 (Pegelabfall des Nachhalls um 60 Dezibel) bezeichnet. Der hier eingestellte Sekundenwert bezieht sich üblicherweise auf die Frequenz 1.000 Hertz. Die Nachhallzeit variiert nämlich für jede Frequenz in allen realen akustischen Umgebungen erheblich – im Tieftonbereich ist sie normalerweise deutlich länger und fällt zu hohen Frequenzen hin ab. Mittels Lo-Ratio/Hi-Ratio, LF/HF-Multiply oder Damping lässt sich je nach internem Aufbau einer Reverb-Unit ein „natürlich“ klingender Zeitverlauf der Hallfahne nachbilden (beziehungsweise auch bewusst „unnatürlich“ gestalten). Oftmals sind hierbei die Einsatz/Übergangsfrequenzen für den Tief- und Hochtonanteil frei einstellbar. Zusätzliche Tief- und Hochpassfilter erlauben bei vielen Geräten darüber hinaus den Frequenzgang der Hallfahne weiter zu begrenzen, womit sich ein mulmender Bassbereich oder zischelnde Höhen reduzieren lassen. Zur weiteren Gestaltung des Halleffekts stehen je nach Hersteller und Gerät noch die – weitgehend selbsterklärenden – variablen Diffusionen, Density, Width (oder Spread) und ER/Reverb-Mix zur Verfügung.