#18 Audiotechnik: Signal-Processing (Teil 4)

Delay und was es bedeutet

Delays lassen sich unterschiedlich einsetzen. Neben dem Time-Alignment von Eingangssignalen oder Lautsprechern können sie zur Dopplungs/Stereobasis-Erzeugung, für die Lokalisation von Schallquellen und als „Echo“-Effekt genutzt werden. Für letztgenannte Anwendung wurden bereits ab den 1950er Jahren so genannte Tape-Delays eingesetzt, die mit einer Tonband-Schleife und mehreren Wiedergabe-Tonköpfen arbeiten. Später kamen analoge Delay-Geräte in Eimerketten- und Transistortechnik auf den Markt. Heutzutage sind natürlich Digital-Delays das Mittel der Wahl, wobei sich Tape- und Analog-Delays beziehungsweise deren Software-Emulationen aufgrund ihres speziellen Klangcharakters nach wie vor großer Beliebtheit erfreuen. 

Entfernte Schallquelle:
Laufzeitunterschied zwischen Direktsignal  und Reflektionen ist geringer (=kleiner Predelay-Wert)

Die wichtigsten Parameter eines Delay-Effekts sind Delay-Time, also die Verzögerungszeit in Millisekunden und Feedback. Mit Letzterem wird die Rückführung des Effektausgangs zurück in den Effekteingang reguliert. Dadurch können mehrfache, regelmäßige Wiederholungen, die kontinuierlich im Pegel abfallen, realisiert werden. Zusätzlich lässt sich meist der Frequenzgang des Effektausgangs durch Filter (Bandpass oder Hoch/Tiefpass) begrenzen. Dadurch kann ein Echoverlauf wie in der Natur imitiert werden, was sich meist auch klangästhetisch anbietet. Oftmals verfügen Delay-Units zusätzlich über einen Oszillator mit den Variablen Rate (Geschwindigkeit) und Depth (Intensität), womit sich die Delay-Zeit kontinuierlich modulieren lässt. So können unter anderem die klassischen Effekte Phaser, Flanger und Chorus erzeugt werden. Stereo-Delay-Geräte bieten neben separaten Delay-Zeit-Reglern häufig die Zusatzoption PingPong, wodurch Echowiederholungen abwechselnd links und rechts ausgegeben werden.    

Im Kontext von Musikbeschallungen ist es sehr wichtig, dass die Delay-Zeit stets synchron zum jeweiligen Songtempo justiert wird. Neben der manuellen Berechnung der Zeiten bieten sich dafür die Funktionen Tap oder Sync an. Während mit erstgenannter Option die Delay-Zeit durch rhythmisches Tippen auf den entsprechenden Button definiert wird, erfordert die zweite Variante eine am Pult/ Plug-In anliegende Midi-Clock. Diese kann beispielsweise von einem in der Show verwendeten Sequenzer abgegriffen werden.

Text+Fotos: Martin Person