#19 Audiotechnik: Latenzen in Beschallungssystemen
Latenzen einzelner Systemkomponenten
Wenn wir den typischen Signalfluss eines Beschallungs- oder Monitoring-Systems betrachten, so entstehen, wie erwähnt, an vielen Positionen mehr oder weniger maßgebliche Verzögerungen. Während sich zum Beispiel beim Einsatz kabelgebundener Mikrofone die Signallaufzeit nicht erhöht, muss man bei Nutzung eines digitalen Wireless-Systems mit Latenzen zwischen 1,5 und 4 Millisekunden rechnen. Semi-professionelle oder ältere Geräte verursachen manchmal sogar erheblich höhere Werte. Für das Routing der Audiosignale kommt heutzutage in der Regel ein digitales Multicore oder Audionetzwerk zum Einsatz, das die Signallaufzeit ebenfalls erhöht. Das populäre DANTE-Protokoll benötigt zum Beispiel typischerweise eine Millisekunde zum Durchreichen der Audiostreams. Bei sehr guter Planung des Netzwerks und entsprechender Komponentenauswahl lässt sich dieser Wert auf 0,5 Millisekunden reduzieren. Es können aber unter Umständen auch zwei Millisekunden notwendig werden, um einen sicheren Betrieb zu ermöglichen. Hier ist also im Vorfeld einer Veranstaltung eine bewusste Planung des Audionetzwerks sinnvoll.
Inzwischen ist fast immer eine Digitalkonsole das Herz eines Beschallungs- beziehungsweise Monitoring-Systems und – bewusst oder unbewusst – Ursache massiver Latenzen. Das gilt insbesondere dann, wenn in einzelnen Kanälen oder Mix-Bussen zusätzliches Signal-Processing in Form von Plug-Ins zum Einsatz kommt. Diverse Bearbeitungsschritte, aber auch mehrfache Signalwandlungen (A/D, D/A) sowie Sample-Rate-Conversion (SRC) an Digitaleingängen ergeben bei allzu sorgloser Anwendung schnell Signallaufzeiten von zehn bis dreißig Millisekunden, was für Live-Anwendungen deutlich zu viel sein kann. Am Ende der Signalkette ist bei Verwendung von System-Verstärkern verschiedener Hersteller eine weitere Signalverzögerung zwischen 0,5 und 4 Millisekunden einzukalkulieren. Für In-Ear-Monitoring-Anwendungen muss gegebenenfalls die Latenz eines „Immersive“-Prozessors in die Gesamtrechnung mit einbezogen werden.

