#19 Audiotechnik: Latenzen in Beschallungssystemen

Vermeidung übermäßiger Signallaufzeiten

Die besten Möglichkeiten, die Gesamtlatenz des Audiosystems zu minimieren, ergeben sich innerhalb des Mischpults und beim Signal-Processing. Neben der Verwendung einer möglichst hohen Sampling-Rate, reduziert hier vor allem der Verzicht auf eine optionale Latenz-Kompensation in Ein- und Ausgängen die Durchlaufzeit der Audiosignale. Übrigens erweist sich generell ein Time-Alignment aller Eingangskanäle und Busse auf das „langsamste“ Signal nur in sehr wenigen Situationen als notwendig. Lediglich auf Inputs und Gruppen mit korrelierendem Audiomaterial muss zur Vermeidung von Kammfiltereffekten oder Echos eine Latenz-Kompensation erfolgen. In der Praxis ist dies eigentlich nur bei Mehrfachmikrofonierung eines Instruments (zum Beispiel zwei Bassdrum-Mikrofone) oder dem Einsatz von Parallel-Kompression/ anteiligem Effekt-Processing über mehrere Subgruppen der Fall.       

Durch Verzicht auf Oversampling lässt sich bei manchen Plug-Ins erheblich Signallaufzeit einsparen

Hilfreich ist es, beim Einschleifen interner oder externer Plug-Ins in den Signalweg, darauf zu achten, möglichst Effekte mit „Nulllatenz“ zu verwenden. Sofern nicht direkt ersichtlich, geben Herstellerinformationen in den jeweiligen Manuals oder Webseiten darüber Aufschluss. Manche Plug-Ins bieten zudem einen speziellen „Live“-Modus, der ein schnelleres Processing ermöglicht. Sofern einzelne Tools über eine Oversampling-Option verfügen, ist es ratsam, diese zu deaktivieren, weil hierdurch zusätzliche Latenz entsteht. Im Zweifelsfall muss situationsbedingt entschieden werden, ob der erhöhten Klangqualität oder einer reduzierten Signallaufzeit der Vorzug gegeben wird. Selbstverständlich sollte bei Nutzung eines externen „Native“-Hosts auf ASIO/CoreAudio-Basis die kleinstmögliche Buffer-Size gewählt werden. Allerdings sind selbst so Round Trip-Delays unter fünf Millisekunden kaum möglich. Entsteht dadurch eine zu hohe Gesamtlatenz, muss auf externe Effekte verzichtet oder ein SoundGrid-System, das eine Durchlaufzeit unterhalb einer Millisekunde bietet, eingesetzt werden.         

Unnötige, mehrfache A/D- und D/A-Wandlungen sowie ein Resampling an Digitaleingängen sollten ebenfalls, wie angedeutet, grundsätzlich vermieden werden. Das bedeutet, dass möglichst alle Signalverbindungen innerhalb des vorhandenen Audionetzwerks und/oder digital mit einheitlicher, sternförmig verteilter Wordclock erfolgen müssen. Wenngleich jeder Wandlungsvorgang nur eine vergleichsweise geringe Latenz verursacht, summiert sich ein an dieser Stelle nachlässiges System-Design bisweilen auf mehrere zusätzliche Millisekunden, was in der Gesamtbetrachtung einen signifikanten Unterschied ergibt.


Text+Fotos: Martin Person