Brücke zwischen Sound-Design und Immissionsschutz

Veranstalter und Tontechniker streben nach einer kraftvollen, dynamischen Beschallung, die Emotionen weckt und ein spürbares Live-Gefühl vermittelt. Die Planung von Open-Air-Events ist jedoch ein Balanceakt: Das Ziel eines immersiven Klangerlebnisses für die Zuschauer steht im oft Gegensatz zu einer möglichen Belästigung der Anwohner. Für den entstehenden Interessenkonflikt, eine emotionale und gleichzeitig sichere Veranstaltung für die Besucher zu realisieren, bei gleichzeitigem Verringern der Schallemissionen nach außen und dem Einhalten geltender Regelwerke, lassen sich bislang nur unbefriedigende Kompromisslösungen für die beteiligten Parteien finden. 

Die Beurteilung von Schallimmissionen unterliegt in Deutschland länderspezifischen Regelungen. Die Berechnungen basieren auf normativen Vorgaben wie der ISO 9613-2. Sie arbeiten weitgehend mit rein leistungsbasierten Betrachtungen inkohärenter Quellen mit einer definierten Richtwirkung. Die Modelle sind für statische Lärmquellen wie Industrieanlagen konzipiert und berücksichtigen Umgebungsvariablen wie Wind, Temperaturgradienten und Bodenimpedanz. Jedoch können sie die stark frequenzabhängige und gerichtete Abstrahlung moderner Beschallungssysteme mit mehreren interagierenden Quellen nur unzureichend abbilden. Aktuelle Simulationssoftware für Beschallung ist zwar hochpräzise im Publikumsbereich, lässt jedoch den Einfluss von Umgebungsparametern und die Abstrahlung in benachbarte Gebiete weitgehend unberücksichtigt. Umgekehrt streben Immissionsprognosen an, die Belastung der Anwohner durch „Lärm“ zur sicheren Seite zu berechnen und zu bewerten. Diese Berechnungen ignorieren dabei die komplexen Überlagerungen der Einzellautsprecher.

Die Lösung liegt in einer methodischen Brücke: Das Aggregate Point Source (APS) Modell generiert anhand der detaillierten Beschallungssimulation in EASE 5 Ersatzschallquellen. Dazu werden Gruppen kohärent agierender Quellen als Aggregate Point Sources (APS) zusammengefasst. Diese APS repräsentieren präzise die Fernfeld-Richtwirkung der zugrunde liegenden Lautsprecheranordnung und dienen als Ersatzschallquellen im Prognosemodell, wo sie inkohärent überlagert werden. Der Import und Export der Daten ist bereits vollständig in EASE 5 und IMMI implementiert.

Der APS-Ansatz wurde bereits in mehreren Publikationen untersucht und validiert. Die Ergebnisse zeigen, dass sich mit dieser Methode eine praxisnahe Prognosegenauigkeit von etwa 1 bis 3 dB erreichen lässt. Der Ansatz ist dabei vollständig konform mit gängigen Normen. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurden die TW AUDiO GLL-Modelle grundlegend überarbeitet und verifiziert. Die Untersuchungen zeigen, dass Abweichungen kleiner 1 dB zwischen Messung und Simulation mit den neuen Modellen erreicht werden. Das Aggregate Point Source (APS)-Model ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen Tobias Goldmann aus dem Entwicklungsteam von TW AUDiO, AFMG, Wölfel Engineering und dem Akustik Bureau Dresden. In diesem Konglomerat wurden wissenschaftliche Erkenntnisse, Simulationsmethoden, Messungen und Praxiserfahrungen aus unterschiedlichen Fachgebieten gebündelt, um einen Prozess zur realitätsnahen Immissionsprognose moderner Beschallungssysteme zu ermöglichen. 

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