Interview mit FOG-Geschäftsführer Sascha Tietze

EVENT Rookie: Was genau hast du mit deinem Team vor Ort beim #lauterwerden gemacht?
Sascha Tietze: Wir haben Live Nation angeboten die Pyrotechnik für die Bands zu stellen, die dies gerne in Anspruch nehmen wollen.Die Musiker von The BossHoss haben dies dankend angenommen und daher sind wir für die Band vor Ort. Wir wollen damit den Stream etwas aufwerten, da virtuelle Flammen bei weitem nicht so echt aussehen wie reale Flammen.

EVENT Rookie: Musst du da bei diesem Konzept auf spezielle Dinge achten?
Sascha Tietze: Es gibt sogar sehr viele Dinge auf die wir achten müssen und diese beziehen sich sowohl auf die Arbeit in einem Studio, als auch auf die Arbeit für ein XR-Event wie dieses. Wir müssen den seitlichen Abstand und die Deckenhöhe beachten. Daher haben wir um Vorfeld den Bühnenplan erhalten, um die Dimensionen zu überblicken. Danach wurden dann die Effekte ausgewählt. Da die lichte Höhe bei 4,90 Meter lag und davon noch Traversen, sowie Scheinwerfer abgezogen werden mussten, konnten wir nur mit Effekten planen, die eine maximale Höhe von 3,50 Metern hatten. 

Stefan Tietze

EVENT Rookie: Und worauf galt es zu achten bezüglich der XR-Thematik?
Sascha Tietze: Bezüglich XR muss ich auf sehr viele Dinge achten, die sich vor allem darauf beziehen, dass sich die reale mit der virtuellen Welt verbindet. Bei allem, was wir vor Ort machen und auch schon bei der gesamten Planung, mussten wir immer darauf achten, dass diese zwei Welten aufeinandertreffen. So mussten wir zum Beispiel schauen, dass die eingesetzten Effekte nicht zu viel Nebel erzeugen. Der Nebel steigt nach oben und dort endet an einem bestimmten Punkt die reale Welt und die virtuelle beginnt. Der Nebel hört im Endergebnis dann plötzlich auf, da er virtuell keine Anschluss hat. Diese Grenze sieht man und das will man natürlich vermeiden, weil dann die Illusion verschwindet. 

EVENT Rookie: Und wie sieht es aus mit den Flammen-Effekten?
Sascha Tietze: Auch bei den Flammen ist es ähnlich, da diese nicht zu hoch sein dürfen. Alles oberhalb der LED-Wand wird als virtueller Raum aufgezeichnet und wiedergegeben. Wie auch schon beim Thema „Nebel“, kann auch eine Flamme nicht einfach virtuell anknüpfen. Daher müssen wir sehr stark darauf achten, dass die Flammen nicht zu hoch sind. Ansonsten ist sie einfach abgeschnitten, wirkt unnatürlich und somit ist die Illusion verschwunden. Daher muss man auch vorher sehr genau kommunizieren, wann die Effekte gezündet werden.

EVENT Rookie: Ist die Planung denn nur für euch wichtig oder gibt es auch noch andere Gewerke, die wissen müssen, wann Pyrotechnik gezündet wird?
Sascha Tietze: Für die Regie ist die Planung eigentlich viel wichtiger als für uns. Dort muss jeder wissen, wann welcher Effekt gezündet wird, damit die passende Kameraeinstellung gewählt wird. Wird in den Momenten, in denen die Flammen gezündet werden, von zu weit unten gefilmt, hat man das Problem mit dem Übergang der Welten, wie ich es vorhin beschrieben habe. Da alles vom Lichtoperator der Band gesteuert und gezündet wird, muss er sich im Idealfall im Vorfeld mit der Regie abstimmen.

EVENT Rookie: Noch eine abschließende Frage zum Thema XR. Denkst du denn dass diese Technologie auch nach der Pandemie noch Anwendung findet?
Sascha Tietze: Ich denke, dass XR-Veranstaltungen vor allem bei Produktpräsentationen, im Marketingbereich und bei anderen Anwendungen eine wichtige Rolle speilen wird. Im Live-Event- oder Live-Musik-Bereich hingegen wird es das Thema XR wohl nicht mehr geben. Live-Events leben von Emotionen, von Menschen, die zusammenkommen und Menschen, die das Event zusammen erleben. Das geht nur mit „richtigen“ Live-Events und daher denke ich, dass es XR in diesem Bereich schwer haben wird, wenn der Live-Markt wieder aktiv ist.

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