Interview mit Medienserver-Operator Dave Leonard bei Metallica
EVENT Rookie: Stell dich bitte kurz vor. Wie heißt du und was ist deine Position?
Dave Leonard: Mein Name ist David Lennart und ich bin Media-Server-Programmierer und -Operator für Metallica.

Wie lange arbeitest du schon mit Metallica zusammen?
Ich bin Mitte 2023 zum Team gestoßen. Die Band hatte gerade den ersten Europa-Abschnitt der Tour abgeschlossen, und direkt danach habe ich übernommen.
War die Show zu diesem Zeitpunkt bereits fertig oder musstest du noch programmieren?
Als ich dazukam, wurde die komplette Show neu aufgebaut. Alles wurde von Grund auf neu programmiert – es war also eine komplett neue Produktion.
War die Entscheidung für Pixera deine oder wurde sie von der Produktionsfirma getroffen?
Das war eine gemeinsame Entscheidung des Managements, des Kreativteams und aller Beteiligten. Es ging darum, ein System zu finden, das für die Band langfristig die besten Perspektiven bietet und mit dem sich zukünftige Produktionen optimal umsetzen lassen.
Gibt es Funktionen von Pixera, die eine Show dieser Größenordnung besonders erleichtern? Oder wäre das mit anderen Systemen genauso möglich?
Wir haben zuvor mit Disguise gearbeitet und sind dann auf Pixera umgestiegen. Beide Systeme haben ihre Stärken und Schwächen. Letztlich hängt vieles vom persönlichen Workflow ab. Als Operator möchte ich möglichst schnell auf Anforderungen reagieren können. Das Werkzeug, mit dem ich effizient arbeite, ist in diesem Moment das richtige Werkzeug. Was ich an Pixera besonders schätze: Viele Funktionen sind bereits „out of the box“ vorhanden. Dinge, die ich bei anderen Systemen erst aufwendig selbst erstellen müsste, stehen mir direkt zur Verfügung.
Bist du inzwischen auf Pixera spezialisiert?
Ja. Seit dem Umstieg arbeite ich fast ausschließlich mit Pixera. Am Anfang musste ich die Software allerdings komplett neu lernen. Ich habe einen offiziellen Schulungskurs besucht – denselben wie alle anderen Teilnehmer – und danach einfach möglichst viel Zeit mit der Software verbracht. Das ist wie bei allem: Je häufiger man etwas nutzt, desto besser wird man darin. Man sollte jede Funktion ausprobieren, Menüs erkunden und sich mit dem System vertraut machen. Dann kann man später auf neue Anforderungen reagieren, ohne sofort sagen zu müssen: „Das habe ich noch nie gemacht.“

Welche Funktionen von Pixera schätzt du besonders?
Vor allem die Screen Groups und das flexible Mapping. Ich kann Inhalte mit wenigen Klicks auf unterschiedliche Bereiche verteilen, ohne zusätzliche Ebenen oder Cues anlegen zu müssen. Das spart im Produktionsalltag enorm viel Zeit.
Werden alle Türme mit demselben Signal bespielt?
Nein. Wir arbeiten mit vielen unterschiedlichen Mappings. Das Kreativteam und der Art Director haben die Inhalte so konzipiert, dass jeder Zuschauer im Stadion eine möglichst gute Perspektive erhält. Das Bild wandert über die verschiedenen Türme hinweg. Wer einen Teil des Bildes auf einem Tower nicht vollständig sieht, kann den restlichen Inhalt auf dem nächsten Tower verfolgen. Ziel ist, dass jeder Besucher unabhängig von seinem Platz eine hochwertige Show erlebt.
Wie viel steuerst du während der Show selbst? Läuft alles per Timecode?
Tatsächlich läuft fast alles manuell. Timecode nutzen wir lediglich für die kurzen Intro-Loops zwischen den Songs. Ansonsten reagiere ich live auf das Bühnengeschehen – etwa darauf, wann ein Musiker einsetzt oder wann der Schlagzeuger seinen Part beendet. Gerade bei einer Band wie Metallica ist diese Flexibilität wichtig. Wenn der Sänger spontan länger mit dem Publikum interagiert, würde ein vollständiger Timecode-Ablauf sofort aus dem Takt geraten. Deshalb arbeiten wir bewusst manuell und stimmen uns eng mit der Lichtabteilung ab, damit Video und Licht jederzeit synchron bleiben.
Das Livebild kommt also vom Videoregisseur und wird anschließend in Pixera verarbeitet?
Genau. Der Videoregisseur steuert alle Kameras und sendet die Signale an unsere Pixera-Systeme. Gemeinsam legen wir für jeden Song fest, welche Flächen Content zeigen und welche IMAG-Bilder erhalten. Während der Tour entwickeln wir die Show ständig weiter. Wir befinden uns inzwischen im vierten Jahr dieser Produktion und versuchen immer wieder, einzelne Songs optisch neu zu gestalten, damit selbst Stammgäste neue Eindrücke erleben.
Du bist also die letzte Instanz in der Signalkette?
Genau. Ich kontrolliere unter anderem auch die Helligkeit der LED-Wände. Tagsüber laufen sie mit voller Leistung, doch sobald es dunkler wird, reduziere ich die Helligkeit schrittweise. So harmonieren Video und Licht besser miteinander. Eine gute Show entsteht nicht dadurch, dass ein einzelnes Gewerk dominiert – entscheidend ist das Zusammenspiel aller Bereiche.

Zum Abschluss: Unser Magazin richtet sich vor allem an Auszubildende und Ausbildungsbetriebe. Welchen Rat würdest du jungen Menschen geben, die Media-Server-Operator werden möchten?
Lernt ständig von anderen – egal, wie viel Erfahrung ihr bereits habt. Es gibt immer jemanden, der einen Trick oder einen besseren Workflow kennt. Gerade im Bereich Media Server und Lichtsteuerung gibt es heute unglaublich viele hochwertige Lernmaterialien. Viele Hersteller veröffentlichen ausführliche Tutorials auf YouTube, die inhaltlich oft sehr nah an professionellen Schulungen sind. Mein Rat lautet deshalb: Schaut euch diese Inhalte an, setzt euch an den Rechner und probiert alles selbst aus. Geht Schritt für Schritt vor und verbringt möglichst viel Zeit mit euren Werkzeugen. Denn je häufiger ihr damit arbeitet, desto schneller, sicherer und kreativer werdet ihr.
